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Inferno. Rezension von: Holger Niederhausen

Inferno. Rezension von: Holger Niederhausen

Mieke Mosmuller ist eine außergewöhnlich(e) anthroposophische Autorin. Es ist tragisch, dass einem die Anthroposophie heute so selten in ihrer wahren Form begegnet, die sich nicht immer schon auf einzelne Lebensgebiete („Tochterbewegungen“) spezialisiert und nicht den schalen Beigeschmack der „Sekundärliteratur“ atmet. Bei den Büchern von Mieke Mosmuller hat man das Erlebnis: Dieser Mensch ist den von Rudolf Steiner eröffneten Schulungsweg wirklich gegangen – entschlossen und weit – und schreibt mitten aus der Anthroposophie heraus. 

Die Bücher von Mieke Mosmuller sind im deutschen Sprachraum leider noch kaum bekannt. Immerhin acht ihrer bisher 18 Werke sind inzwischen aber auch auf Deutsch erschienen: 1994 „Suche das Licht, das im Abendlande aufgeht“, 2000 „Der deutsche Geist“, 2004 „Mutter eines Königs“, 2006 „Die Weisheit ist eine Frau“, 2007 „Der heilige Gral“, 2008 „Stigmata und Geisterkenntnis“, „Der lebendige Rudolf Steiner“ und nun „Inferno“.[1]

Hauptperson dieses Romans ist ein Mann, der aus der Ich-Perspektive erzählt. Schnell wird klar, dass es sich bei dem Holländer Gerrit um einen reinen Machtmenschen handelt, der sein Leben lang den dunklen Weg gegangen ist, auch über Leichen. Der Roman beginnt als Rückblick: Der Ich-Erzähler erwähnt, er sei gebeten worden, drei richtungweisende Geschehnisse aus seinem Leben zu schildern.

Das erste Ereignis liegt bereits etwa 15 Jahre zurück. Mit zunehmenden Gelenkschmerzen hatte er einen Arzt aufgesucht. Die Begegnung mit dem jungen italienischen Arzt Beato, ja schon die erste Sekunde dieser Begegnung, erschüttert das Leben von Gerrit bis in die Grundfesten. Beato scheint gleichsam von Natur aus jenes absolute innere Gleichgewicht zu haben, um das Gerrit – immer wachsam, misstrauisch, zweckgerichtet – sein ganzes Leben lang kämpfen musste.

Nach dieser Begegnung ist nichts mehr wie vorher. Gerrit versucht ihre Folgen abzuschütteln, zunächst mit Erfolg. Doch das, was er als unerträglichen „Einschluss“ in seinem Körper bezeichnet, bricht bei der zweiten Begegnung mit Beato um so stärker auf. Es zeigt sich, dass damals ein winziges Fünkchen „Gewissen“ oder auch „wahres Wesen“ ins Leben gerufen worden war und unaufhaltsam zu wachsen begann.

Meisterhaft entfaltet Mieke Mosmuller in der Schilderung von Gerrits Gedanken und seiner Gespräche mit Beato das Seelenleben dieses am Scheidepunkt seines Lebens stehenden Mannes. Der Stoff des Romans erweist sich als durch und durch manichäisch.

Der Rückblick geht in die Gegenwart über, als Gerrit mit stärkeren Schmerzen in eine Klink muss – und dort nicht nur zum dritten Mal Beato begegnet, sondern auch einem jungen Mädchen, das von dem offenbar lebenserfahrenen Mann fasziniert ist und nur das sieht, sehen will, was offenbar doch auch in Gerrit an Gutem existieren muss.

Während Sophie ihm schließlich die Kraft gibt, seinem Leben eine völlige Wende zu geben, verdankt er die entscheidenden Hinweise, wie diese Wende geschehen muss, dem leitenden Arzt der Klinik, Johannes, der selbst einen Schulungsweg verfolgt.

Der innerliche Weg, den Gerrit geht, ist nicht im Geringsten so einfach, wie es diese wenigen, zusammenfassenden Sätze vermuten lassen könnten. Er ist vielmehr außerordentlich steinig, immer wieder ist es völlig offen, ob eine Wende sich überhaupt ereignen wird. Und als der Prozess der inneren Umwandlung dann beginnt, ist auch dieser höchst gefährdet. Denn natürlich steht ein Mann wie Gerrit dann vor dem Nichts...

All dies schildert Mieke Mosmuller wie von innen heraus – und gerade dies ist nun einmal das Kennzeichen eines wahrhaft anthroposophischen Werkes: Das Eintauchen in seelisch-geistig Erlebbares und eine Sprache, die dem Leser genau dies wiederum ermöglicht – gerade auch im Kleide eines Romans!

Die inneren Schritte, die Gerrit an seinem Lebensende noch zu tun vermag, sind äußerlich gesehen vielleicht unspektakulär, doch sie bedeuten für ihn als Individualität – und auch für seine nächste Umgebung, die die Bedeutung dieser Schritte erkennt – ein Unendliches. Am Ende dieses wahrhaft christlichen Romans kann man ahnen, dass Gerrit im nächsten Leben ein Zeugnis dessen geben wird, was Rudolf Steiner einmal andeutete: Gerade das starke Böse wird nach seiner Verwandlung ein um so stärkeres Gutes werden.

Der innere Schulungsweg, die Verwandlung der Seele und

Lotus und Lilie. Dialog zwischen einem Buddhisten und einem Christen - Mieke Mosmuller

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Mieke Mosmuller

Die innige Freundschaft zwischen einem östlichen Weisen und einem westlichen Gelehrten ist der Boden, auf dem ein spiritueller Dialog erblüh...

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